Stachel-Erdschildkröte, Heosemys spinosa, ein juveniles Exemplar – © Sami Asad

Spinks - 2012 - 01

Spinks, P. Q., R. C. Thomson, B. Hughes, B. Moxley, R. Brown, A. Diesmos & H. B. Shaffer (2012): Cryptic variation and the tragedy of unrecognized taxa: the case of international trade in the spiny turtle Heosemys spinosa (Testudines: Geoemydidae). – Zoological Journal of The Linnean Society 164(4): 811-824.

Kryptische Variationen und die Tragödie unerkannter Taxa: Der Fall des internationalen Handels mit der Stachel-Erdschildkröte, Heosemys spinosa (Testudines: Geoemydidae).

DOI: 10.1111/j.1096-3642.2011.00788.x ➚

Stachel-Erdschildkröte, Heosemys spinosa, – © Sami Asad
Stachel-Erdschildkröte,
Heosemys spinosa,
Juveniles Exemplar
© Sami Asad

Habitatverlust und Ausbeutung der Bestände durch den Menschen brachten viele Schildkrötenarten der Ausrottung nahe, was besonders für viele Teile Südasiens zutrifft. Die Stachel-Erdschildkröte (Heosemys spinosa) ist eine terrestrische Spezies, die in der Sundaland-Region Südostasiens lebt. Trotz des Schutzes durch internationale Gesetze wird H. spinosa weiterhin illegal für Nahrungszwecke und für den traditionellen chinesischen Medizinmarkt gesammelt. Aufgrund ihres sehr großen Verbreitungsgebiets haben die Taxonomen schon immer die begründete Frage aufgeworfen, ob es sich wirklich nur um eine singuläre Evolutionsline (Art) bei H. spinosa oder um mehrere bislang unerkannte Spezies handelt. Kürzlich wurde eine große illegale Ladung wild gefangener Exemplare dieser seltenen Art in Hongkong, China beschlagnahmt. Diese Tiere wurden letztendlich in mehreren Zoos und anderen akademischen Einrichtungen untergebracht. Basierend auf den Analysen dieser Individuen zusammen mit zusätzlichen Exemplaren, die über den Tierhandel erhältlich waren, sowie einigen Tieren aus Museumssammlungen konnten wir sowohl genetische als auch phänotypische Unterschiede feststellen, die nahe legen, dass innerhalb dieses Stachel-Erdschildkröten-Kollektivs zwei distinkte Typen von H. spinosa existieren. Weiter gehende Charakterisierungen dieser Unterschiede bedingen aber Freilanderfassungen, um ortsbezogene (vorkommensbezogene) morphologische und genetische Daten zu erfassen. Jedoch zeigen unsere Daten für diese hochgradig von der Ausbeutung betroffenen Art, dass möglicherweise weitere kryptische Taxa in diesem Komplex enthalten sind, was nahe legt, dass diese Spezies dringend einer genauen systematischen Untersuchung zugeführt werden sollte, bevor die bislang noch unbekannte genetische Variation für immer verloren ist.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine Arbeit, die durchaus zeigt, dass es trotz der bislang durchgeführten molekular-genetischen Untersuchungen noch zusätzliche kryptische Arten geben kann (siehe auch Freedberg & Myers 2012). Ja, auch hier liegt nahe, dass viele der Zoos und privaten Halter/innen, die diese Art in der Vergangenheit züchteten, vielleicht schon „Hybriden“ oder „Unterarthybriden“ nachgezogen haben. Dennoch ist ganz klar das Genom dieser möglichen verschieden Arten aber auch noch in den Hybriden vorhanden (siehe Poulakakis et al. 2008), so dass sie ungeachtet ihres derzeitigen Status als potentielle Exemplare für Rückzüchtungen erhalten werden sollten. Letzteres wäre für den Fall wichtig, dass sich wirklich für die eine oder andere bislang unerkannte Art oder Unterart nicht mehr genug reine Individuen finden lassen. Zudem sollte man sich fragen, ob nicht auch Hybriden ihren Nutzen für die Langzeiterhaltung haben. Denn wenn man schon so sehr darauf verweist, wie bedroht die Art oder der Artenkomplex H. spinosa insgesamt ist, ist es fast schon unlogisch, den Erhaltungswert von möglichen Hybriden in Frage zu stellen, wie dies häufig von unseren „Erhaltungsstrategen“ hierzulande getan wird. Ich denke, so wie sich mache von uns freuen, „Hybride“ Terrapene c. major (Butler et al. 2011) pflegen zu können, wird sich auch zukünftig jemand über H. spinosa freuen können, selbst wenn seine Exemplare genetisch eher einen ursprünglichen Artenkomplex, denn eine reine Art repräsentieren.

Literatur

Butler, J. M., C. K. Dodd, M. Aresco & J. D. Austin (2011): Morphological and molecular evidence indicates that the Gulf Coast box turtle (Terrapene carolina major) is not a distinct evolutionary lineage in the Florida Panhandle. – Biological Journal of the Linnean Society 102(4): 889-901 oder Abstract-Archiv.

Freedberg, S. & E. M. Myers (2012): Cytonuclear equilibrium following interspecific introgression in a turtle lacking sex chromosomes. – Biological Journal of the Linnean Society 106(2): 405-417 oder Abstract-Archiv.

Poulakakis, N., S. Glaberman, M. Russello, L. B. Beheregaray, C. Ciofi, J. R. Powell & A. Caccone (2008): Historical DNA analysis reveals living descendants of an extinct species of Galapagos tortoise. – Proceedings of the Natural Acadamy of Science USA 105(40): 15464-15469 oder Abstract-Archiv.

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